Kardanantrieb vs. Kettenantrieb

kardanantrieb motorrad
Bei der BMW R32 liegt der Kardanantrieb noch frei.

Eine der grundlegenden Fragen, die sich beim Motorradkauf stellt ist nicht nur die nach der Marke und dem Hubraum, sondern auch die Art des Antriebes spielt eine wichtige Rolle. Die meisten Motorräder werden heutzutage mit einer Kette ausgeliefert. Allerdings gibt es auch große Hersteller, die auf einen Kardanantrieb setzen. Wir klären wo die Stärken und Schwächen der beiden Antriebssysteme liegen.

Kardanantrieb

Erklärung
Wenn ein Motorrad über einen Kardanantrieb angetrieben wird, heißt das, dass die vom Motor erzeugte und vom Getriebe übersetzte Kraft über eine Welle an das Hinterrad übertragen wird. Bei alten Motorrädern wie der BMW R32 lag diese Kardanwelle oft noch vollkommen im Freien, während die Kardanwelle am Motorrad heutzutage in der Regel von einem Kardantunnel umgeben ist. Dies dient sowohl zum Schutz der Welle, als auch des Fahrers. 

Motorräder mit Kardanantrieb 

Die klassischen Hersteller von Motorrädern mit Kardanantrieb sind BMW und MotoGuzzi. Aber seit den 80er Jahren haben auch japanische Hersteller das Prinzip für sich entdeckt und eine Vielzahl an Motorrädern mit Kardanwelle auf den Markt gebracht. Eine übersichtliche Liste der Motorräder mit Kardanantrieb findet sich auf dieser Website. Aber natürlich ist auch bei dieser Liste nicht von 100% Vollständigkeit auszugehen.

Unterschiede: Japanische Kardanwelle vs. BMW

Einer der absoluten Hauptunterschiede zwischen Kardanantrieben japanischer Hersteller und denen von BMW ist, dass der Kardantunnel bei japanischen Motorrädern in der Regel mit Schmierfett gefüllt ist. Kardanantriebe von BMW laufen dagegen trocken. Hier werden nur die einzelnen Kreuzgelenke und Verzahnungen der Kardanwelle bei der Montage mit besonders hochwertigem Haftfett (z.B. Staburags) gefettet. Wieso BMW seine Kardanwelle nicht ebenfalls in Schmierfett lagert ist nicht ganz klar (wenn hier jemand mehr weiß: bitte in den Kommentaren Aufklärungsarbeit leisten!).

Japanische Kardanantriebe gelten unter vielen Werkstattinhabern aufgrund der Fettlagerung als generell langlebiger als die trockenen Wellen von BMW.

Wen die Ersatzteilpreise im BMW Motorrad Ersatzteilkatalog nicht schrecken können, der bekommt spätestens beim Probefahren der neusten BMW GS einen weiteren Unterschied zu den meisten anderen Motorrädern mit Kardanwelle zu spüren: Die herrausragend einfache Fahrbarkeit. Das tolle Fahrwerk der neuen BMW Motorrädern mit Kardanwelle ist besonders der Tatsache geschuldet, dass diese eine Kardanwelle mit zwei Gelenken besitzt.

Kettenantrieb

did Kettensatz
DID Kettensastz

Der Kettenantrieb beim Motorrad funktioniert in erster Linie wie der des Fahrrades. Natürlich ist beim Motorrad jedes Bauteil deutlich stärker gebaut und muss in kürzeren Intervallen gewartet werden, aber das Grundprinzip ist dasselbe.
Der besondere Vorteil von Ketten ist, dass sie leicht, einfach zu warten und der Kettensatz vergleichsweise günstig zu ersetzen sind. Besonders aus diesen Gründen finden Kettenantriebe häufig Anwendung in Motorrädern mit eher sportlichem Charakter.
Der große Nachteil von Kettenantrieben ist, dass sie im Verhältnis zu Kardan- und Riemenantrieb häufigerer Wartung bedürfen.

Wartung von Motoradketten

Auch Kettenantriebe kommen wie auch die Kardanwelle nicht gänzlich ohne Schmiermittel aus. Zu diesem Zweck wird die Kette im Idealfall nach jedem Einsatz mit einem Kettenspray behandelt.

Desweiteren muss die Kettenspannung regelmäßig geprüft werden. Ein Vorgang, der in diesem Video sehr ausführlich gezeigt wird:

Kardan vs. Kette: Fazit

Die Wahl des Antriebs hängt in der Regel stark von der Wahl des Motorradtyps und dem eigenen Budget zusammen. Kardanwellen sind deutlich langlebiger und wartungsärmer als Kettenantriebe, können aber im Fall einer Reparatur auch deutlich(!) kostspieliger werden.